Wieder einmal fordert jemand, einen bundesweiten Feiertag zu streichen. Diesmal ist es die Chefin des Maschinenbauers Trumpf, Nicole Leibinger-Kammüller, die den Ostermontag streichen will. Wenn alle mehr arbeiten, so die Idee, wird es was mit dem Wirtschaftswachstum. Das ist zum einen eher unwahrscheinlich, zum anderen ist der Vorschlag erschreckend unkreativ. Von der Chefin eines hochinnovativen Unternehmens hätte mehr kommen können als Uraltideen.
Zunächst: Warum arbeiten nicht diejenigen erst einmal richtig, die besonders viele Feiertage haben? Bayern (13) und Baden-Württemberg (12) könnten sich anderen Bundesländern anpassen und die Zahl auf zehn senken. Beide Länder haben eine besonders große Wirtschaftskraft. Weniger Feiertage dort brächten das bundesdeutsche Bruttoinlandsprodukt vielleicht sogar mehr voran, als in allen Bundesländern einen Feiertag zu streichen. Zu polemisch? Sicher.
Rein rechnerisch bringt bundesweit ein Tag mehr Arbeit dem unternehmernahen Institut der deutschen Wirtschaft zufolge 0,2 Prozent Wirtschaftswachstum zusätzlich – für den Fall, dass sich alles andere nicht ändert. Das ist aber nicht so. In der Regel wird heute vorgearbeitet, um die freien Tage auszugleichen, fiele ein Tag Freizeit weg, verteilte sich die Arbeit nur wieder. Und wenn das Wetter schlecht ist, ruht eine Baustelle – Feiertag oder nicht.
Hinzu kommt, dass die deutsche Wirtschaft nur in kleinem Maße ein Arbeitsproblem hat. Mehr schwer Verkäufliches herzustellen, hilft der Wirtschaft nicht. Was fehlt sind neue Ideen – für innovative Produkte und für die veränderte Wettbewerbssituation in der Welt. Wenn deutsche Produkte wieder stark gefragt sind, wächst auch die Wirtschaft – trotz Feiertagen.