Langsam ergibt sich ein klares Bild. Seit Jahren arbeiten sich die Experten der Bundesgesellschaft für Endlagerung durch Deutschlands Untergrund. Sie suchen einen geeigneten Ort, um den hiesigen Atommüll sicher unterzubringen. Jetzt hat das Unternehmen einen Zwischenstand vorgelegt. Weite Teile der Bundesrepublik sind danach ungeeignet. Und es zeichnen sich ein paar Kandidaten ab.
Die aktuelle Deutschland-Karte sieht etwas verwirrend aus, schon weil sie auch den Meeresboden im deutschen Hoheitsgebiet mit einbezieht. Zudem sind weite Teile gelb und orange eingefärbt, es gibt große graue Flächen und ein paar blaue Gebiete. Gelb und Orange stehen für „ungeeignet“, grau für „noch zu prüfen“ – etwa ein Viertel des Staatsgebiets. Blaue Flächen sollten genauer betrachtet werden. Hier könnte womöglich ein Endlager entstehen.
Blau sind einige Gebiete rund um Hannover und im Harz, im Thüringer Becken nördlich von Erfurt, im Erzgebirge an der tschechischen Grenze im bayerischen Wald. Ulm und Teile der schwäbischen Alb sind dabei, zwei große Gebiete im Schwarzwald, ein Streifen östlich von Heidelberg.
Derzeit ist vor allem Norddeutschland noch grau, was technische Gründe hat. Die Geologen prüften erst jene Daten, die bereits vorlagen. Die norddeutschen Daten mussten erst umfangreich digitalisiert werden. „Wir gehen streng wissenschaftlich vor“, sagt Iris Graffunder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung im niedersächsischen Peine. Die Geologen der BGE arbeiten am Schreibtisch, prüfen, was bisher über den deutschen Untergrund bekannt ist.
Kein Endlager ist möglich, wenn es Risse gibt, kein geeignetes Gestein vorhanden ist oder sich etwa Vulkanausbrüche nicht ausschließen lassen. Schließlich soll das Endlager eine Million Jahre sicher überdauern. Das ist zumindest der Anspruch. „Je gleichmäßiger und langweiliger das Gestein, desto geeigneter“, sagt die BGE-Chefin.
Graffunder verspricht, dass es Mitte 2026 keine grauen Zonen mehr gibt. Dann dürfte feststehen, wo in Deutschland ein Endlager grundsätzlich möglich ist. „Bis Ende 2027 werden wir konkrete Regionen vorschlagen, die wir für ein Endlager geeignet halten und weiter erkunden wollen“, sagt sie. Bevor es weitergeht, muss die Aufsichtsbehörde in Berlin die Ergebnisse prüfen. Letztlich entscheidet der Bundestag dann, wo genau weiter untersucht wird.
Ohnehin eigneten sich nur 54 Prozent der Landesfläche überhaupt, überall dort, wo es Tongestein, Steinsalz oder Granit im Untergrund gibt. Im Westen, Süden und Nordosten Deutschlands fielen große Gebiete deshalb aus, etwa das Saarland. Jetzt ist auch Rheinland-Pfalz offiziell kein guter Ort für ein Endlager. Die Gebiete südlich von Mainz haben die Geologen verworfen.
Wie geht es weiter? Hat das Parlament nach 2027 entschieden, welche Gebiete weiter untersucht werden sollen, sind erst einmal oberirdische Tests vorgesehen, die die Gebiete weiter einengen. Schallmessungen zum Beispiel, die neue Daten bringen. Später sollen an ausgewählten Standorten Testbergwerke gebaut werden. Parallel sind zahlreiche Bürgeranhörungen vorgesehen. Nach aktuellem Plan gibt es möglicherweise 2070 einen Endlagerstandort, der ausgebaut werden muss.
Graffunder und das BGE wollen das Verfahren beschleunigen. Sie haben bereits vorgeschlagen, auf die teuren und aufwändigen Bergwerke zu verzichten und das Gesetz zur Standortsuche entsprechend anzupassen. Dann könnte bereits 2046 feststehen, wo Deutschland seinen Atommüll unterbringt. Bisher lagern die abgebrannten Brennstäbe in Hallen an den ehemaligen Standorten der Atomkraftwerke, im nordrhein-westfälischen Ahaus und im niedersächsischen Gorleben.