Der Fahrzeugschein wird digital

Für Deutschland ist es ein großer Schritt: Der Fahrzeugschein wird digital. Die I-Kfz-App dürfte das Papierdokument komplett ablösen. Für die Bundesregierung ist das Projekt so wichtig, dass Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (beide CDU) es gemeinsam vorstellten. Für die Bundesbürger erleichtert es auf jeden Fall das Leben. Das Dokument wandert ins Mobiltelefon, lässt sich zum Beispiel bei Polizeikontrollen sofort vorzeigen.

„Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen“, sagte Schnieder. Die App sei kostenlos und sicher. Wildberger freute sich, dass die App konsequent vom Nutzer her gedacht sei. Und so wird auch enttäuscht, wer eine digitale Kopie des alten grünlichen Dokuments erwartet. Mehr als den Namen „Fahrzeugschein“ und, dass ähnliche Daten zu sehen sind, hat die App mit der für viele unübersichtlichen analogen Version nicht gemein.

Einfach auf Knopfdruck und gut lesbar sind Informationen etwa zum Sprit, zu den Abmessungen des Fahrzeugs, zum nächsten Termin für die Hauptuntersuchung zu sehen. Die App erinnere auch rechtzeitig daran, sagte Richard Damm, Präsident des Kraftfahrtbundesamts (KBA) in Flensburg. Er stellte die App im Detail vor. Bei der Behörde liegt das zentrale Register für Fahrzeuge, dass jetzt digitalisiert ist.

Was ist, wenn jemand anderes mit dem Auto fahren will als die Person, der es gehört? Der digitale Fahrzeugschein lässt sich wie der papierne weitergeben, auch mehrfach. So kann die Tochter, die den Wagen mit nutzt, dauerhaft einen Fahrzeugschein bekommen oder der Nachbar begrenzt für eine Woche. Das geht per Link oder über einen eigens in der App erzeugten QR-Code, den die andere Person mit ihrer App scannen muss.

Den Fahrzeugschein ins Mobiltelefon zu bekommen, ist einfach: I-Kfz-App herunterladen, starten, hinzufügen auswählen, Kennzeichen eintragen. Um sich auszuweisen, muss man den digitalen Personalausweis ans Telefon halten und die sechsstellige Ausweis-Pin eingeben. Danach zieht sich die App alle Daten zum Fahrzeug aus dem zentralen digitalen Register.

Wer mehr als ein Fahrzeug hat – Auto, Motorrad oder Lkw – kann auch mehrere Fahrzeugscheine hinterlegen. KBA-Chef Damm kann sich auch vorstellen, dass die App für Mietwagenunternehmen, Werkstätten und bei der Hauptuntersuchung eine größere Rolle spielt. Digitalminister Wildberger spricht von neuen Diensten rund um die App, ohne konkret zu werden.

Das Bundesverkehrsministerium hat den digitalen Fahrzeugschein gemeinsam mit dem Kraftfahrtbundesamt und der Bundesdruckerei in den vergangenen zwei Jahren entwickelt. Die Testphase mit 7500 Nutzern startete im April 2025. Insgesamt hat das Projekt zwölf Millionen Euro gekostet. Nicht allein für die App. „Alles muss digitalisiert werden“, sagt Wildberger. Das verschlanke die Prozesse, die gerade im analogen Umfeld viel Geld kosteten – also weniger Papierkram. „Behördengänge fallen weg, Änderungen werden automatisch im Register gespeichert“, ergänzt KBA-Chef Damm.

Als nächstes will das Verkehrsministerium es möglich machen, dass Fahrzeuge online zentral beim KBA zugelassen werden können und nicht mehr bei einer der mehr als 400 Zulassungsstellen. Und der Führerschein wird digitalisiert. Der „Lappen“ soll in die geplante staatliche Brieftasche Eudi-Wallet im Mobiltelefon gesteckt werden. Sie wird gerade als ein Projekt der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind) entwickelt. Dort soll der Personalausweis digital abgelegt werden. Womöglich landet dort dann auch der Fahrzeugschein. Die Wallet ist für Ende 2026 geplant.