Start-ups von heute gelten als Wirtschaftstreiber von morgen. Deutschland hat hier viele Chancen, nutzt sie aber noch zu wenig, wie eine neue Studie zeigt. Vor allem Frauen gründen selten – offenbar ausgebremst vom Bildungssystem und weil sich Familie und Unternehmertum nur schlecht vereinbaren lassen. Und so bleibt wohl manch gute Idee liegen.
„Deutschland kann es sich nicht leisten, auf das Potenzial von Frauen zu verzichten. Sie sind die größte stille Reserve unseres Landes“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes, der die Studie für die Bertelsmann-Stiftung erstellt hat. „In Zeiten wirtschaftlicher Stagnation brauchen wir alle, die unsere Wirtschaft nach vorne bringen.“
Unter denen, die ein Startup gegründet haben, waren im vergangenen Jahr 18,8 Prozent Frauen – ein Minus zum Vorjahr. Von 2020 bis 2023 war der Anteil der Gründerinnen noch von 15,9 auf 20,7 Prozent gestiegen. In der Bevölkerung sind Frauen knapp in der Mehrheit. Das Minus erklärt sich unter anderem dadurch, dass Frauen eher mit Unternehmen in der Lebensmittel oder starteten. Gerade diese Branchen litten in den vergangenen beiden Jahren darunter, dass die Bundesbürger wegen der hohen Inflation weniger ausgaben.
Dass vor allem Männer mit eigenen Firmen starten, liegt der Studie zufolge an ganz grundsätzlichen Dingen. Es fehle an ausreichenden Vorbildern, das Bildungssystem breche die bestehenden Muster nicht auf, heißt es beim Verband. Ein Beleg dafür: 65 Prozent der Männer beschlossen bereits in der Jugend oder während Ausbildung und Studium, einmal ein Unternehmen zu gründen. Bei Frauen waren es nur insgesamt 43 Prozent.
Auch setzt die Mehrheit der Frauen (60 Prozent), die studieren, darauf, später einen sicheren Job zu haben. Bei den Männern sind es nur 32 Prozent. Weil unternehmerisches Risiko nicht unbedingt mit einem sicheren Arbeitsplatz verträgt, dürften einige Frauen hier abgeschreckt sein. Allerdings ändert sich der Blick aufs Gründen, wenn sie erste Erfahrung im Beruf hatten (32 Prozent).
Gegründet wird meist im Alter von 25 bis 35 Jahren, eine Phase, in der viele auch eine Familie planen. Und, wie es in der Studie heißt, Gründerinnen seien in der Familie stärker gefordert als Gründer – was weniger Zeit für die Firma bedeutet. „Es wird deutlich, dass Unternehmertum nicht am fehlenden Interesse scheitert, sondern an Rahmenbedingungen, die erst später in der Laufbahn zur Selbstständigkeit ermutigen“, sagt Jennifer Eschweiler, Gründungsexpertin der Bertelsmann Stiftung.
Wie viel Potenzial Startups haben, zeigt zum Beispiel der Online-Modehändler und -Technologiekonzern Zalando, der es vom Berliner Wohnzimmer in den Deutschen Aktienindex Dax schaffte. Oder Celonis aus München, das in den Daten von Unternehmen Möglichkeiten findet, die Geschäftsabläufe zu beschleunigen, ist international gefragt und inzwischen mehrere Milliarden Euro wert.
Als Startups gelten Unternehmen, die bis zu acht Jahre alt sind, von Innovation und Technologie getrieben werden und vor allem schnell stark wachsen wollen. Klassische Handwerker werden deshalb nicht gezählt, auch wenn sie neu starten. Der Startup-Verband befragte 1800 Gründerinnen und Gründer sowie 1000 Studierende.