Autoversicherung, Strom, Telefon: Mit dem Wechsel des Anbieters lässt sich oft viel Geld sparen. Oft reichen ein paar Klicks im Internet, in der Regel läuft der Übergang im Hintergrund und reibungslos. Ähnlich einfach sollte es sein, das Wertpapierdepot zu wechseln. Doch hier hakt es, wie neue Zahlen der Finanzaufsicht Bafin zeigen. Das trifft vor allem die Sparer, die länger nicht auf ihre Anlagen zugreifen können – tückisch, wenn die Kurse fallen und man etwas verkaufen möchte.
Gerade bei der Geldanlage sind die Kosten wichtig. Wer heute wenige Gebühren zahlt, kann mehr sparen, zum Beispiel in Fonds anlegen. Das zahlt sich in der Zukunft aus. Aus monatlich 50 Euro werden bei fünf Prozent Verzinsung in 20 Jahren 20.552 Euro. Kostet das Wertpapierdepot bei Bank oder Sparkasse zwölf Euro im Jahr oder einen Euro pro Monat, sind es nach 20 Jahren nur 20.141 Euro – zum einen ließ sich weniger sparen, zum anderen gab es weniger Zinsen.
Ursprünglich lagerten Banken und Sparkassen Aktien und Anleihen, Fonds und andere Anlagen physisch in einem Depot. Inzwischen werden diese Konten digital geführt. Banken und Sparkassen nehmen dafür eine Gebühr. Und die kann hoch sein: Bis zu 3800 Euro ließen sich binnen 20 Jahren sparen, wenn Anleger zu einem anderen Institut wechselten, ermittelte das Verbraucherportal Finanztip Ende 2024. Vor allem Onlinebanken oder -broker ohne Filialen bieten oft kostenlose Depots.
Deutsche Finanzinstitute sind gesetzlich verpflichtet, den Wechsel zu ermöglichen. Und er darf in Deutschland auch nichts kosten. Einfach neues Depot bei Bank oder Sparkasse der Wahl eröffnen, Formular zum Übertrag des Depots vom alten Institut ausfüllen, digital oder als pdf, abschicken – und es sollte funktionieren. Allerdings ist es offenbar doch nicht so einfach. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Bafin 5910 Beschwerden zum Wertpapiergeschäft, mehr als doppelt so viele wie 2023 (2835).
Überwiegend ging es darum, dass Depots fehlerhaft oder deutlich verzögert übertragen wurden. In etwa zehn Prozent der Fälle dauerte es länger als zehn Tage. „Bei einem langfristigen Vermögensaufbau mit breitgestreuten Aktien-ETFs ist das kein Problem – bei einer Einzelaktie, die vor einem drohenden Kurssturz verkauft werden soll, schon eher“, sagt Geldanlage-Experte Timo Halbe von Finanztip. Langfristig orientierte Anleger ändern den Wertpapiermix nur selten.
Was in Zeiten der Digitalisierung einfach sein sollte, ist es offenbar nicht. Es fehlt ein einheitliches System zum Übertragen, dabei sollte ein Wertpapierdepot standardisiert sein. Die Bafin befand in ihrer Marktuntersuchung 2022/23, dass nur 54 Prozent der Institute die Prozesse intern digitalisiert hatten. Das dürfte sich inzwischen etwas geändert haben. Aber es wird wohl noch sehr viel einzeln angefasst. Die Institute haben einen angemessene Zeit frei, wobei der Begriff eher schwammig ist. Für die Bafin sollte der Depotumzug höchstens drei Wochen dauern.
„So ein Übertrag zwischen zwei Banken ist zwar keine Astrophysik, aber an einigen Stellen kann es trotzdem haken“, sagt Finanztip-Experte Halbe. Er empfiehlt Anlegern, für den Wechsel mehrere Wochen einzuplanen und sich gut vorzubereiten. Ein Grund dafür, dass es länger dauern kann: Die Anleger tragen etwas falsch in das Übertragungsformular ein oder vergessen etwas. „Deshalb sollten Anleger die Angaben im Wechselantrag genau prüfen“, sagt Halbe. Und, besonders wichtig: Wer wechseln will sollte unbedingt „vorab kontrollieren, ob die zu übertragenden Wertpapiere bei der neuen Bank handelbar sind.“
Manche Onlinebank zum Beispiel bietet nicht alle Fonds von allen Anbietern an. Das kann auch breit gestreute ETF (Exchange Traded Funds, börsengehandelte Fonds) auf den MSCI World Index betreffen, die unterschiedliche Firmen aufgelegt haben. Sind die Wertpapiere beim neuen Anbieter nicht handelbar, lassen sie sich auch nicht übertragen. Um das alte Depot zu schließen, müssen solche Papiere dann verkauft werden.
Das gilt grundsätzlich für „Bruchstücke“ von Anlagen. Wer zum Beispiel Vermögenswirksame Leistungen in einem Fonds anlegt, der die Aktien im Deutschen Aktienindex Dax abbildet, kann zum Beispiel nach einiger Zeit 19,171 Anteile halten. Übertragen lassen sich nur 19, die restlichen 0,171 müssen dann verkauft werden. Wer nichts verkaufen möchte, hat im Zweifel dann zwei Depots – ein teures mit einigen Wertpapieren und ein günstiges für die zukünftigen Anlagen.