In diesem Jahr hat die Zahl der Bundesbürger zugenommen, die überschuldet sind. Das ist vordergründig nicht dramatisch, sind doch immer noch 871.000 Menschen weniger überschuldet als vor 20 Jahren. Allerdings zeigt der Schuldneratlas 2025 sehr konkret, welche Folgen die eher abstrakten Informationen wie schrumpfende Wirtschaftsleistung haben. Vielen fehlt Geld, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Für die Bundesregierung ist der Schuldneratlas eine Warnung.
Denn es trifft nicht mehr nur jene Städte und Gemeinden, die ohnehin seit Jahren schlecht dastehen, sondern auch jene Regionen, die wegen ihrer Weltmarktführer und erfolgreichen Unternehmen als besonders wohlhabend gelten: Bayern und Baden-Württemberg. Einer der Gründe für Überschuldung neben steigenden Lebenshaltungskosten und teurem Wohnraum sind Entlassungen auch gut verdienender Beschäftigter, weil etwa Autozulieferer nicht mehr so gut verkaufen wie früher.
Dass Deutschland als Ganzes jetzt in die private Schuldenkrise abstürzt, ist noch nicht zu sehen. Klar wird aber, dass Regionen, denen es seit Jahren hervorragend geht, Probleme bekommen können, weil die alten Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren. Bisher warnten davor nur Forscher, im Schuldneratlas lassen sich erste reale Hinweise finden.
Die Bundesregierung sollte die Milliarden, die sie zur Verfügung hat, in Zukunft investieren und nicht dazu verwenden, das Bestehende zu erhalten oder einzelne Branchen mit kleinteiligen Subventionen zu beglücken. Auf Dauer helfen der exportorientierten deutschen Industrie nur gute Ideen, die sich verkaufen lassen. Dann steigt die Wirtschaftsleistung und die Menschen können ihre Rechnungen bezahlen.