Von großen Gewinnen und kleinen Verlusten

Was ist eine Aktie? Und wie funktioniert die Börse? Einige Grundbegriffe der Geldanlage.

Aktie: Eine Aktie bescheinigt, dass einem ein Stückchen eines Unternehmens gehört. Wie viel, gibt der sogenannte Nennwert der Aktie an. Früher waren sie auf Papier gedruckt, zeigten etwa die Zentrale des Unternehmens und einen Wert, zum Beispiel 1000 Mark. Inzwischen sind Aktien digital. Der Nennwert beträgt meist ein Euro. Die Nennwerte aller Aktien zusammen ergeben das Grundkapital des Unternehmens.

Nicht jede Firma kann Aktien ausgeben, sie muss eine bestimmte Rechtsform haben: Aktiengesellschaft (AG), europäische Aktiengesellschaft (SE) oder Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Wer eine Aktie besitzt, wird am Gewinn des Unternehmens über die Dividende beteiligt und kann mitentscheiden, etwa über Personal an der Spitze und wichtige Strategien des Unternehmens. Aktiengesellschaften können, müssen aber nicht an eine Börse gehen.

Anleihe: Wenn Unternehmen und Staaten Geld benötigen, können sie bei Banken einen Kredit aufnehmen oder sich Geld über eine Anleihe beschaffen. In beiden Fällen erhalten Unternehmen oder Staat Geld, müssen dafür Zinsen aufbringen und nach einer bestimmten Zeit die geliehene Summe zurückzahlen. Im Fall der Anleihe ist der Gesamtbetrag gestückelt, zum Beispiel eine Million Euro in tausend 1000-Euro-Anteile. Und diese können, anders als der Kredit, an der Börse gehandelt werden. Wer immer das Papier gerade hält, bekommt die vereinbarten Zinsen – und zum Ablaufdatum die Rückzahlung.

Börse: Eine Börse ist ein Marktplatz, auf dem Waren oder Wertpapieren unter Aufsicht gehandelt werden. Dabei müssen die Waren oder Wertpapiere nicht direkt vor Ort sein. Makler können die Besitzer vertreten. In der neueren Geschichte begann der Börsenhandel im belgischen Brügge im 13. Jahrhundert. Größte deutsche Börse ist die Frankfurt Börse, die 1585 gegründet wurde.

Makler trafen sich noch bis 2011 im Börsensaal mit seinen markanten runden weißen Arbeitsplätzen, um Wertpapiere zu kaufen und zu verkaufen. Seither wird ausschließlich digital über Xetra gehandelt. Die Deutsche Börse als Betreiberin der Frankfurter Börse garantiert, dass die Geschäfte auch zustande kommen.

Wichtige weitere Börsen sind die New York Stock Exchange (NYSE), die US-Technologiebörse Nasdaq und die London Stock Exchange (LSE). Auch wenn digital gehandelt wird, ist eine Börse nicht rund um die Uhr geöffnet. Xetra etwa ist von 9 bis 17.30 Uhr erreichbar.

Börsengang: Entscheiden sich die Inhaber einer Aktiengesellschaft, an die Börse zu gehen, zum Beispiel in Frankfurt, geben sie einen Teil ihrer Aktien ab. Dieser erste Verkauf an der Börse heißt Börsengang. Das Geld für die Aktien geht an die Inhaber des Unternehmens. Danach kann jeder und jede die Aktie kaufen und verkaufen. Das Geld beim Kauf geht an den Verkäufer, nicht mehr an das Unternehmen. Die Eigentumsverhältnisse wechseln dann ständig. Die Zahl der Aktien bleibt gleich.

Kurs: Ein Kurs ist der Preis zum Beispiel einer Aktie, der sich durch den Handel an der Börse ergibt. Der Kurs kann deutlich höher sein als der Nennwert auf der Aktie. Denn wer eine Aktie kauft, setzt oft darauf, das das Unternehmen in der Zukunft bessere Geschäfte macht. Käufer spekulieren zum einen auf mehr Gewinn und damit darauf, mehr Dividende je Aktie ausgezahlt zu bekommen, zum anderen darauf, dass mehr Menschen die Aktie kaufen wollen und so den Preis nach oben treiben.

Index: Ein Index soll zeigen, wie sich verschiedene Wertpapiere entwickeln, die etwas gemeinsam haben. Der bekannteste deutsche Index ist der Dax, der die Kursentwicklung der 40 wertvollsten Firmen nachzeichnet, die an der Börse Frankfurt notiert sind. Den Index hat eine Tochter des Börsenbetreibers Deutsche Börse entwickelt. Indizes gibt es für Branchen wie Pharma oder Energie, für Waren wie Stahl oder Gold, für Immobilien oder Anleihen etwa vom Staat oder von Unternehmen.

Fonds: Ein Fonds bündelt mehrere Wertpapiere unter bestimmten Gesichtspunkten: deutsche Aktien zum Beispiel, Energieaktien, europäische Staatsanleihen oder hohe Dividenden. Anteile an diesem Fonds lassen sich ebenfalls über die Börse kaufen und verkaufen. Die Idee eines Fonds ist meist, das Risiko zu verringern. Bei einer einzelnen Aktie kann der Kurs schnell steigen, aber eben auch fallen, wenn der Ausblick nicht so gut ist. Wer diese Aktie besitzt, kann schnell viel Geld verlieren. Bei einem Fonds mit 100 Aktien fällt der Verlust einer einzelnen Aktie wenig ins Gewicht. Zuwächse bei anderen gleichen das wieder aus.

Banken und Investmenthäuser legen Fonds auf. Oft werden sie aktiv gemanagt, das bedeutet, es kümmern sich Spezialisten darum, welche Wertpapiere enthalten sind. So soll der Fonds besonders ertragreich werden. Seit Jahren setzen sich Fonds durch, die automatisch verwaltet werden.

ETF: ETF (Exchange-traded Funds, börsengehandelte Fonds) sind Fonds, die automatisiert zusammengestellt sind und zum Beispiel einen Index wie den Dax abbilden. Anteile an diesem Fonds werden an der Börse gehandelt. Anleger müssen dann nicht Anteile an allen Dax-Unternehmen kaufen, sondern können für weniger Geld einen Dax-ETF erwerben, der genau wie der Dax steigt und fällt. Besonders bekannt ist der ETF auf den Index MSCI-World, der die wichtigsten Aktien der Industrieländer abbildet.

Depot: Um Aktien, Anleihen, Fonds oder andere Wertpapiere an der Börse kaufen und verkaufen zu können, ist ein Depot bei einer Bank nötig. Früher wurden dort die Papiere gelagert, heute im digitalen Zeitalter ist auch das Depot digital. Viele klassische Banken und Sparkassen bieten sie an, auch zahlreiche Onlinebanken, die keine Filialen haben. Neben einem Depot, in dem die Wertpapiere lagern, ist noch ein Verrechnungskonto nötig, von dem Käufe bezahlt werden und auf das Erträge überwiesen werden.

Je nach Geschäftsmodell nehmen Kreditinstitute Gebühren für das Depot und für Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Das können pauschale Beträge oder prozentuale Anteile am Umsatz sein. So nimmt die Dekabank der Sparkassen 12.50 Euro Depotgebühr pro Jahr, wenn das Konto online geführt wird. Bei der ING ist es kostenlos. Die Deutsche Bank verlangt für das DB Privatdepot mindestens 19,99 Euro pro Jahr, das Online-Angebot von Maxblue ist kostenlos.

Die Kosten richten sich unter anderem danach, wie hoch der Beratungsbedarf der Kunden ist. Bei einem Online-Konto handeln die Kunden in der Regel selbst. Bei anderen Konten bietet das Kreditinstitut meist besondere Beratung. Ein Preisvergleich lohnt sich auf jeden Fall.

Wer sein Depot von einer Bank zur anderen übertragen möchte, kann das in der Regel problem- und kostenlos. Und sollte eine Bank Insolvenz anmelden, hat der Insolvenzverwalter kein Zugriff auf die Anlagen der Kunden. Sie gelten als Sondervermögen und werden an eine andere Bank übertragen.